Hilfe! Meine Mama hat Borderline, Teil 3

Hilfe! Meine Mama hat Borderline, Teil 3

In diesem Artikel möchte ich dir erklären, welche Auswirkungen eine Borderline Persönlichkeitsstörung (BPS) eines Elternteils auf die Kinder haben kann.

Auswirkungen auf die Kinder

In Teil eins habe ich generell über die Borderline Persönlichkeitsstörung informiert. In Teil zwei folgte dann das Erziehungsverhalten von Müttern mit BPS. In diesem Artikel beschreibe ich die Auswirkungen auf die Kinder und im letzten Teil beschreibe ich sowohl die Risiko- als auch die Schutzfaktoren bei Kindern von Müttern mit BPS. Denn wichtig zu benennen ist, dass, auch wenn es hier teilweise so klingen mag, Kinder auch gestärkt aus einer solchen Kindheit hervorkommen können.

Da hauptsächlich Frauen mit BPS diagnostiziert werden und auch in der heutigen Zeit noch die meiste Zeit mit Kindern Zuhause verbringen, spreche ich in diesem Artikel von Müttern mit BPS. Damit sind natürlich aber auch Väter oder non-binäre Eltern gemeint, die eine BPS haben.

Allgemein

In mehreren Studien konnte festgestellt werden, dass die Lebensqualität bei Kindern von Müttern mit – deutlich geringer war, als bei Kindern von Müttern ohne eine psychische Erkrankung. Bei Persönlichkeitsstörungen war dabei die Lebensqualität am schlechtesten.

Es kann dazu kommen, dass sich die Mütter nicht angemessen um die Kinder kümmern. Sie schaffen es dann meist aufgrund ihrer eigenen Probleme nicht.

Die Kinder erleben häufig eine Zusatzbelastung an Aufgaben in der Familie, welche sie übernehmen müssen. Hierdurch stellen sie ihre eigenen Bedürfnisse in den Hintergrund. Hier kann eine sogenannte Parentifizierung stattfinden. Dabei übernimmt das Kind die Rolle des Elternteils und kümmert sich z.B. um die Geschwister. Besonders im Rollenspiel konnte die Parentifizierung erkennbar werden. Häufig zeigte sich, dass die Beziehung zwischen Mutter und Kind schwierig war.

Es fehlt immer noch die angemessene Unterstützung aus dem Gesundheitssystem, um Kinder von psychisch kranken Eltern angemessen zu betreuen und um ihnen altersgerecht die psychische Erkrankung des Elternteils erklären zu können.

Wenn Mütter stationär in Behandlung sind – das heißt in einer Klinik sind – fühlen sich die Kinder alleine und es fehlt ihnen Liebe und Fürsorglichkeit. Das kann Enttäuschung und Wut auslösen. Wenn die Mütter dann wieder zurückkommen, befürchten die Kinder, dass sie bald einen Rückfall haben könnte. Dadurch verhalten sie sich eher vorsichtig und rücksichtsvoll, um die Mütter zu schonen.

In einer kleinen Studie konnte festgestellt werden, dass die Kinder sich aufgrund der Erlebnisse in der Familie, nicht altersgerecht entwickeln konnten.

Erleben

Kinder mit einer Mutter mit BPS erleben diese als nicht einschätzbar und können sie nicht verstehen. Dies kann sie verängstigen und verwirren. Sie können sich hilflos und alleine fühlen.

Gleichzeitig haben die Kinder Schuldgefühle aufgrund der Erkrankung der Mutter. Sie erleben in der Familie eine Tabuisierung des Themas und leben diese dann auch im Außen aus. Das bedeutet, dass sie meist keinem von der Erkrankung der Mutter erzählen, sondern die Situation mit sich selbst ausmachen. Das hängt damit zusammen, dass sie sich loyal gegenüber der Mutter zeigen wollen. Die Tabuisierung kann dazu führen, dass die Kinder sich eher isolieren.

Sogenannte Loyalitätskonflikte können auch mit den Eltern entstehen, wenn den Kindern das Gefühl vermittelt wird oder sie es selbst haben, dass sie sich zwischen den Eltern entscheiden müssen.

Es konnte zudem festgestellt werden, dass die Kinder weniger Freundschaften hatten, Schwierigkeiten in Unterscheidung von Fantasie und Wirklichkeit sowie Gründe von Emotionen zu finden.

Den Kindern fällt es schwer, eigene Gefühle und Gedanken zu äußern. Sie haben gelernt, diese hinten anzustellen, um die Bedürfnisse der Mütter zu befriedigen. Häufig zweifeln sie an dem Wahrheitsgehalt der Aussagen von anderen.

Die Kinder erlangen durch ein Zusammenleben mit einer Mutter mit BPS unter anderem die Fähigkeit, versteckte Informationen hinter emotionalen Botschaften zu entschlüsseln. Als Erwachsene kann dies dann dazu führen, dass sie hinter jedem Verhalten von Anderen versuchen, Motive zu erkennen.

Häufig fällt es den Kindern auch bis ins Erwachsenenalter hinein schwer, die Kontrolle aufzugeben. Stattdessen sind sie ständig mit einer Gefahreneinschätzung beschäftigt. Sie mussten lernen, die Stimmung der Mutter deuten zu können und übernehmen das dann als Überlebenstechnik.

Teilweise übernehmen die Kinder die Spaltung der Mutter auf sich selbst. Sie haben dann eine verzerrte Wahrnehmung von sich und der eigenen Wahrnehmungen.

“Nur gutes” und “nur schlechtes” Kind

Das “nur gute” Kind wird häufig parentifiziert. Es schafft es nicht, die eingeforderte Nähe der Mutter abzuweisen.

Sie haben Angst so wie die Muter zu werden, sie verbinden Gefühle mit der BPS, weswegen sie diese lieber unterdrücken. Häufig leiden die “nur guten” Kinder unter Depressionen und Ängsten.

“Nur gute” Kinder sind häufig leistungsorientiert und gewissenhaft.

Wenn sie Zeugen von Misshandlungen der “nur bösen” Kinder sind, nutzen sie Abwehrmechanismen wie Verleugnen und Sublimierung (sozial nicht angemessenes Verhalten neutralisieren).

Das “nur böse” Kind entwickelt häufig einen Selbsthass. Hierdurch konsumieren viele dieser Kinder schon früh Drogen und zeigen selbstverletzendes Verhalten. Durch dieses Verhalten verstärken sie jedoch die Annahme der Mutter, dass sie “nur böse” sind und verfestigen so wiederum ihr eigenes Selbstbild.

Teilweise werden die “nur bösen” Kinder aufgrund der wiederholten Misshandlungen durch die Mutter schmerzunempfindlich.

Durch das Chaos im Leben der Mutter, ist es gut möglich, dass auch das Leben der Kinder emotional und finanziell chaotisch verläuft.

“Nur gute” Kinder entwickeln häufig keine BPS, “nur schlechte” Kinder dagegen häufiger.

Kinder vom Typ “verwahrlostes Kind”

Durch die Überbehütung fühlen sich die Kinder häufig eingeengt. Sie haben – aufgrund der Angst der Mutter, die Kinder zu verlieren, keine Möglichkeit, eine gesunde Beziehung zu anderen Erwachsenen aufzubauen. Sie empfinden häufig, aufgrund der Annahme der Mutter, dass das Leben schwer ist, Hoffnungslosigkeit und Unzulänglichkeit.

Gegen die Stimmungsschwankungen der Mütter werde die Kinder häufig immun und fühlen sich durch diese dann entweder manipuliert oder spielen sie herunter.

Häufig empfinden die Kinder eher wie Erwachsene und nicht wie Kinder. Sie sind parentifiziert und unterdrücken die eigenen Emotionen, um die Bedürfnisse der Mutter befriedigen zu können. Es kann dagegen auch passieren, dass die Kinder eine Wut gegenüber der Mutter entwickeln.

Häufig haben die Kinder gelernt, sich um sich selbst zu kümmern. Entweder wehren sie sich gegen die Passivität der Mutter oder sie nutzen diese aus. Häufig haben sie keinen angemessenen Umgang mit Gefahren gelernt und so kommt es leicht zu Unfällen.

Sobald Kinder von Mütter dieses Typs außerhalb betreut werden, haben diese meist Probleme mit Autoritäten, da die Mütter ihnen zu viele Freiheiten gelassen haben. Parentifizierte Kinder haben dagegen Schwierigkeiten damit, abhängig zu sein.

Kinder vom Typ “Einsiedlerin”

Der besitzergreifende Erziehungsstil der Mutter kann für die Kinder lähmend wirken. Durch die Botschaft der Mutter, dass das Leben gefährlich ist, wird das Selbstvertrauen der Kinder untergraben. Der Entdeckungsdrang der Kinder wird früh unterbunden oder bestraft. Hierdurch lernen die Kinder nicht unabhängig zu sein.

Angst ist für die Kinder Normalzustand, weswegen sie nicht in der Lage sind, gesunde von nicht gesunder Angst zu unterscheiden. Das kann dazu führen, dass die Kinder sogar eigene Schmerzen nicht ernst nehmen. Manche Kinder übernehmen die Ängste der Mutter, andere trotzen ihr und begeben sich dadurch in gefährliche Situationen.

“Nur gute” Kinder werden von Müttern dieses Typs eher getröstet und beschützt. Dadurch können sie an starker Trennungsangst leiden, die bis ins Erwachsenenalter bestehen bleiben kann. Die “nur schlechten” Kinder gehen dagegen eher in die Rebellion.

Kinder vom Typ “Königin”

Kinder dieses Typs fühlen sich häufig durch ihre Mütter missbraucht und manipuliert. Teilweise kann das hysterische Verhalten der Mütter den Kindern Angst einjagen. Andere Kinder lernen dagegen, sich nicht anstecken zu lassen, ohne zu wissen, was die Wahrheit ist. Daher sei es für sie schwierig, ein wirkliches körperliches von einem emotionalen Problem zu unterscheiden.

Kinder von Müttern dieses Typs haben es außerdem häufig mit einem Schamgefühl zu tun, aufgrund des habgierigen Verhaltens der Mütter.

Wenn die Kinder selbstständig werden wollen, müssen sie sehr gegen ihre Mütter kämpfen. Jüngere Kinder zeigen häufig repressives (vermeidendes) Verhalten, wie Daumen lutschen, Wutanfälle usw., um Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

Kinder vom Typ “Hexe”

Kindern von Müttern mit dem Typ “Hexe” sind am gefährdetsten. Viele schaffen es leider nicht, ihre Angst im Laufe ihres Lebens wieder abzubauen.

Meist konnten sie als Kind genau einschätzen, wann sich die Mutter in eine Hexe verwandelt und gleichzeitig blieb die Situation für sie unvorhersehbar. Sie versuchen daher ständig, die Stimmung der Mutter herauszufinden. Auch andere Menschen gegenüber sind die Kinder daher vorsichtig und misstrauisch.

Der Wunsch der Mutter, eng mit den Kindern verbunden zu sein, kann diese erdrücken. Die Kinder können häufig nicht auf die Liebe der Mutter vertrauen.

Nur “gute” Kinder nehmen die Mutter eventuell gar nicht als Hexe wahr, nur “schlechte” Kinder dafür umso mehr.

Die Angriffe der “Hexe” werden von Kindern häufig verdrängt, nicht jedoch die Anzeichen eines Stimmungswechsels. Kinder suchen nie den Grund einer Misshandlung in den Eltern, sondern immer bei sich selbst. Dies ist ein Schutzmechanismus, da das Überleben von Kindern von den Eltern abhängt. Dies führt jedoch dazu, dass die Kinder negative Glaubenssätze über sich selbst entwickeln. Das kann sogar bis hin zu sadistischen Verhaltenszügen führen. Teilweise lassen die Kinder daher die Rache an der Mutter aus. Häufiger jedoch, verletzen sich die Kinder selbst.

Kinder von Hexen überleben ihre Kindheit, weil sie gelernt haben, ihre Gefühle nicht zu zeigen, sich unsichtbar zu machen oder ständig weiter zu kämpfen.

Zusammenfassung

Es lässt sich zusammenfassen, dass Kinder von Müttern mit BPS auf unterschiedliche Weise reagieren.

Sie erleben ihre Kindheit als unsicher, Bindungspersonen als nicht einschätzbar und haben daher häufig einen schwierigeren Start ins Leben.

Gleichzeitig lassen sich aus all den negativen Erfahrungen auch positive Eigenschaften finden. Daher werde ich in meinem nächsten Artikel auf die Risiko- aber auch die Schutzfaktoren der Kinder von Müttern mit BPS eingehen.

Jetzt bedanke ich mich bei dir fürs Lesen und wünsche dir einen schönen Tag.

Alles Liebe,
Ronja


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